Cannabidiol (CBD): So arbeitet das Multitalent im menschlichen Körper

Die Wirkungsmechanismen des CBD (Cannabidiol) sind vielfältig. Berauschende, psychische Wirkungen wie die des in Haschisch enthaltenen Cannabidoids THC gehören jedoch nicht dazu. CBD ist ein Pflanzenextrakt, der vor allem in dem in der Landwirtschaft legal angebauten Faserhanf vorkommt. Es bietet weit mehr als zehn verschiedene Wirkmechanismen auf, von denen einige im Folgenden vorgestellt werden. Wo diese Wirkmechanismen stattfinden bzw. welche Funktionen und Bereiche sie im Körper beeinflussen können, zeigt die folgende Grafik.

cbd Infografik 

Gegen Übergewicht und Übelkeit: CBD und der Cannabinoid-1-Rezeptor (CB1-Rezeptor)

CBD blockiert den CB1-Rezeptor und damit mehrere Wirkungen des THC, die über diesen Rezeptor vermittelt werden. So soll CBD die Steigerung der Herzfrequenz und die Zunahme des Appetits hemmen. In der Heilkunde schätzt man diese Wirkungsmechanismen, z.B. bei der Behandlung von Übergewicht.

 

Antipsychotischer Effekt: Beeinflusst CBD die Anandamid-Aufnahme?

Die in klinischen Studien beobachtete antipsychotische Wirkung von CBD bei Patienten mit Schizophrenie wird auf eine Erhöhung des Anandamid-Spiegels z.B. im Nervenwasser bzw. im Gehirn zurückgeführt. Dies könnte darauf beruhen, dass Cannabidiol die Aufnahme und den Abbau des Endocannabinoids Anandamid hemmt und damit die Konzentration insgesamt steigert. Da Anandamid beide Cannabinoidrezeptoren aktiviert, könnte die CBD-Gabe die Aktivierung fördern und die antipsychotische Wirkung entfalten.

 

Schmerzlinderung möglich: CBD stimuliert den Vanilloid-Rezeptor Typ 1

CBD könnte Schmerzen lindern, indem es den vor allem auf Nervenendigungen vorkommenden Vanilloid-Rezeptor vom Typ 1 stimuliert. Dieser soll als Schmerzrezeptor fungieren und wird durch CBD etwa so stark angeregt wie Capsaicin, das in verschiedenen Paprikasorten vorkommt und für die geschmackliche Schärfe verantwortlich ist.

 

Kampf den Hirntumor-Zellen? CBD beeinflusst den Vanilloid-Rezeptor Typ 2

CBD soll weiter die Vermehrung von bestimmten Hirntumor-Zellen hemmen, indem es die Autophagie genannte Form der Zellzerstörung durch einen Mechanismus induziert, der vom Vanilloid-Rezeptor 2 abhängt.

 

CBD aktiviert die Glycinrezeptoren - Contra für chronische Schmerzreize? 

Die Reduktion entzündlicher und neuropathischer Schmerzen durch CDB untersuchten Forscher an Tieren im Rahmen einer medizinischen Studie. Sie folgerten aus den Studienergebnissen, dass die Wirkung des CBD auf den Glycinrezeptor für die Unterdrückung chronischer Schmerzreize verantwortlich oder mitverantwortlich ist. Der Glycinrezeptor findet sich hauptsächlich in Nervenzellen. Nach Aktivierung dieses Rezeptors tritt eine Verminderung der Erregbarkeit dieser Nervenzellen auf, so dass man sich gut vorstellen kann, dass bei einer Aktivierung von Glycinrezeptoren auch in Nervenzellen, die an der Schmerzverarbeitung beteiligt sind, Schmerzen reduziert werden könnten.

 

Zielt auf bessere Durchblutung: CBD als Signalverstärker für Adenosin?

CBD verstärkt die Signalgebung durch Adenosin im Körper. Adenosin übt eine Anzahl von Wirkungen im Körper aus. So blockiert es unter anderem die Ausschüttung aller aktivierenden und belebenden Botenstoffe im Nervensystem, der Neurotransmitter, wie beispielsweise Dopamin, Acetylcholin und Noradrenalin. Dies bewirkt beispielsweise eine Weitung der Blutgefäße. Auch einige entzündungshemmende Wirkungen von CBD könnten auf diesem Wirkmechanismus beruhen.

 

Könnte Angst lösen: CBD bindet sich an den Serotonin-Rezeptor 5-HT1A

CBD bindet an den Serotonin-Rezeptor 5-HT1A. Er ist im Gehirn und Rückenmark für Lernvorgänge, die Regulierung der Körpertemperatur und andere Effekte verantwortlich. Seine Aktivierung durch bekannte Medikamente, wie Buspiron, macht man sich bereits heute in der Medizin aber auch zur Behandlung psychischer Erkrankungen zu Nutze, darunter Angstzustände und Depressionen. Seine Aktivierung könnte zu den angstlösenden Wirkungen des CBD beitragen.

 

Wirkt so gut wie Vitamin C und E: CBD fängt freie Radikale

Cannabinoide, einschließlich CBD sollen wirkungsvolle Antioxidantien sein, also Fänger freier Radikale. Es ist belegt, dass CBD oxidativen Schädigungen durch H2O2 (Wasserstoffperoxid) ebenso gut oder besser vorbeugt als Vitamin C oder Vitamin E.

 

Fazit: Viele positive Wirkmechanismen werden mit Cannabidiol in Verbindung gebracht. Ob schmerzlindernd, angstlösend oder durchblutungsfördernd: viele der potentiellen CBD Wirkungen sind bei der Behandlung entsprechender Krankheitsbilder sehr erwünscht. Somit ist zu hoffen, dass Forschung und Einsatz des natürlichen Pflanzenwirkstoffs CBD in der Heilkunde weiter voranschreiten.

 

Quelle: Wie wirkt Cannabidiol im menschlichen Körper?, Dr. med. Franjo Grotenhermen, www.Hanfjournal.de, 19. Juni 2015